Shiraz – Südafrikas roter „Shootingstar“

Shiraz – Südafrikas roter „Shootingstar“

Shiraz erfreut sich in Südafrika einer großen Popularität. Nach Cabernet Sauvignon zählt Shiraz zu den beliebtesten Rotweinsorten des Kaps. Sein Boom begann nach 1992. Die hohe Anpassungsfähigkeit der aus Frankreich stammenden Rebsorte an unterschiedliche klimatische Bedingungen prädestiniert Shiraz für den Anbau in Südafrikas Weinregionen. So unterschiedlich wie diese Gebiete, so unterschiedlich schmecken auch Südafrikas Shiraz-Weine. Ob reinsortig oder als Cuvée – diese fruchtbetonten, komplexen und alterungsfähigen Shirazweine sind eine große Bereicherung in der internationalen Premiumliga.

Um den historischen Ursprung von Shiraz ranken sich viele Mythen. Ob aus Iran, Rom oder von der Rhône stammend – all diesen Spekulationen setzten moderne DNA-Tests Ende 1990er Jahren ein pragmatisches Ende. Nachgewiesen wurde, dass Shiraz ein echter Franzose ist und von Dureza und Mondeuse Blanche – zwei eher bizarr klingenden französischen Rebsorten – abstammt. Raum für Spekulationen lässt hingegen, wie Shiraz nach Südafrika kam. Vermutet wird, dass Simon van der Stel, Südafrikas erster Gouverneur, die ersten Setzlinge ans Kap der guten Hoffnung brachte. Es könnte aber auch James Busby gewesen sein. Der schottische Winzer machte 1840 Station in Kapstadt, als er mit dem Schiff nach Australien reiste, um dort Shiraz anzubauen.

Dokumentiert ist, dass 12 südafrikanische Shiraz-Weine 1935 beim Weinwettbewerb „Cape Agricultural Wine Competition“ ausgestellt wurden. Als Vater des südafrikanischen Shiraz wird Bernard Podlashuk gepriesen. Der „Father of Shiraz in South Africa“ hat 1957 als Kellermeister bei Bellingham den ersten reinsortig ausgebauten Shiraz abgefüllt. Seinem Vorbild folgte 1963 das Weingut Groot Constantia und 1965 die Genossenschaft Klawer. 1978 waren rund 20 Shiraz-Weine offiziell registriert. Der eigentliche Shirazboom begann knapp 15 Jahre später. Die mit Shiraz bepflanzte Rebfläche kletterte von 900 Hektar im Jahr 1992 auf 10.000 Hektar in 2009. Zwischen 2000 und 2010 avancierte Shiraz zur bevorzugten Rebsorte bei Neuanpflanzungen. Inzwischen ist Shiraz nach Cabernet Sauvignon die zweitstärkste Rotweinsorte Südafrikas. Und mit einer Anbaufläche von 10.347 Hektar ist Shiraz die Nummer vier im Rebsorten-Ranking, nach Chenin Blanc, Cabernet Sauvignon und Colombar (SAWIS, 2016). Im weltweiten Vergleich ist Südafrika das viertstärkste Anbauland für Shiraz.

Der Aufschwung von Shiraz am Kap liegt – neben der großen internationalen Nachfrage – vor allem daran, dass diese Rebe sich gut an unterschiedliche Lagen anpassen kann. Sowohl in kühlen als auch in wärmeren Weinberglagen bringt sie gute Qualitäten hervor. Sie ist kaum krankheitsanfällig. Das einzige, was sie nicht mag, ist zu starker Wind.

Ihre Adaptionsfähigkeit an die Herkunft spiegelt sich in unterschiedlichen Weinstilen. Shiraz aus wärmeren Lagen ist farbintensiver, von schwarzen Fruchtnoten geprägt und fülliger im im Abgang. Dank des moderaten Klimas werden die Weine allzu wuchtig und schwer am Gaumen. Kühler, feinwürziger Duft nach z. B. Pfefferminze, Veilchen oder pfeffrige Noten findet man in Weinen aus kühleren Gegenden. Vielfach werden in der Kapregion die Shiraz mit einer geringen Zugabe von Viognier oder Mourvèdre abgerundet. Shiraz ist zudem ein beliebter Cuvéepartner, wie z. B. im Zusammenspiel mit Pinotage als Cape Blend. Oder mit anderen roten Rebsorten aus Südfrankreich oder der Rhône stammend, wie z. B. Grenache oder Carignan kreieren die Kellermeister beachtliche Rhône-Blends, die meist etwas runder anmuten als ihre europäischen Kollegen.

Die Weine

Unter optimalen Bedingungen bringt Shiraz fruchtige, tanninbetonte, komplexe und alterungsfähige Weine hervor. Vom Geschmacksprofil her könnte man die Südafrikaner in drei Gruppen einteilen:

  • Gehaltvolle Weine mit reifen Pflaumen- und Beerenaromen, wie z. B. Himbeere und schwarze Johannisbeere. Sie stammen aus wärmeren Lagen mit mittleren Erträgen und voll ausgereiften Trauben.
  • Elegante Weine mit dezenterer Frucht, die an Veilchen, Pfeffer, Pfefferminze und Lakritze erinnern und einen würzig-langen Geschmack Nachklang aufweisen. Stammt aus kühleren Lagen mit geringen Erträgen auf eher kargen Böden
  • Leichte Weine mit weniger Frucht jedoch einer guten Balance am Gaumen. Moderate Weinberglagen, höhere Erträge.

 Hintergrund:Shiraz SA“ ist eine offizielle Gemeinschaft, gegründet von südafrikanischen Weinerzeugern. Ihr Ziel ist es, die Aufmerksamkeit und das Interesse für diese noble Rebsorte zu fördern. Sie richtet sich an Winzer, Weinprofis und Liebhaber in aller Welt. Eine der wichtigsten Veranstaltungen ist die Shiraz Challenge mit der Auslobung der Top-Shiraz-Qualitäten Südafrikas